Michael-Balint-Klinik
Sonntag, 16. Dezember 2018 
 

Traumastörungen

 
 

Behandlungskonzept für Traumastörungen

Die Behandlung traumatisierter Menschen stellt in der Michael-Balint-Klinik einen seit vielen Jahren bestehenden Schwerpunkt dar.

Oft erweist sich bei Patienten, die ursprünglich wegen der Einweisungsdiagnose einer Angststörung, Depression oder Somatisierungsstörung aufgenommen werden, das Vorliegen einer Traumafolgestörung, die ein modifiziertes Behandlungskonzept erfordert, dem wir durch unser therapeutisches Programm Rechnung tragen. Oft suchen Patienten unsere Klinik aber auch gezielt wegen einer Traumafolgestörung auf. Während fü̈r viele andere Störungen gilt, dass es hilfreich ist, ü̈ber alles, was einen beschäftigt und bedrü̈ckt möglichst viel zu sprechen und sich auszutauschen, fü̈hrt gerade diese Empfehlung bei traumatisierten Patienten zu stärkerer Symptombelastung. Insoweit kann konventionelle Psychotherapie hier nur beschränkt hilfreich sein.

Unter Traumafolgestörung wird verstanden:

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
  • Traumainduzierte Angststörungen und Depressionen
  • Traumainduzierte Somatisierungsstörungen
  • Dissoziative Störungen
  • Dissoziative Identitätsstörung
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

Zur störungsspezifischen Behandlung

bietet die MBK ein integratives Behandlungsmodell an mit

  • tiefenpsychologischen
  • verhaltenstherapeutischen
  • imaginativen und
  • hypnotherapeutischen Elementen.

Die traumazentrierte Psychotherapie beinhaltet neben zwei Einzelgesprächen pro Woche die Teilnahme an der psychoedukativen Traumagruppe und die Teilnahme an einer Imaginationsgruppe zum Erlernen von Selbstberuhigungstechniken und zur Gestaltung positiver innerer Bilder als Gegengewicht zu dem erlebten Schrecken und dessen Spuren in der eigenen Seele, außerdem ein kreislaufstabilisierendes und spannungsabbauendes Bewegungstherapieprogramm. Außerdem werden Entspannungsverfahren vermittelt, die sich für traumatisierte PatientenInen als hilfreich erwiesen haben:

  • PMR
  • Grounding
  • Qi-Gong

Zur Ressourcenaktivierung und Förderung der Kreativität besteht die Möglichkeit, an der Gestaltungstherapie und Tanztherapie teilzunehmen.
Auch wenn wir den Akzent unseres Angebots auf die psychotherapeutische Behandlung legen, kann im Einzelfall eine begleitende psychopharmakologische Behandlung indiziert und hilfreich sein. Unsere therapeutische Einstellung ist dadurch gekennzeichnet, dass wir alle Behandlungsschritte mit unseren Patienten sorgfältig abstimmen. Alle Entscheidungen sollten die Prinzipien von eigener Kontrolle und Selbstfürsorge berücksichtigen.

Zum Behandlungsablauf
Phase I: Diagnostik, Abklärung der Komorbidität und Indikation zur Psychopharmakotherapie, Schaffung eines Arbeitsbündnisses
Phase II: Stabilisierungsphase
Phase III: Traumaexpositionsphase (Traumaexposition / -synthese, Begegnung mit dem Trauma)
Phase IV: Phase der Trauer und Neuorientierung

Natürlich verläuft jede Behandlung individuell, auch kann der oben angedeutete Zyklus unter Umständen mehrfach durchlaufen werden.

Unterschiedliche Traumaformen

Patientlnnen mit (singulärem) Typ-I-Trauma z.B. nach Verkehrsunfällen, plötzlichem Tod eines geliebten Menschen, Naturkatastrophen, kriminellen Gewalterfahrungen (z.B. Banküberfall) können meist innerhalb von sechs bis acht Wochen soweit stabilisiert werden, dass eine anschließende ambulante Psychotherapie ausreicht. Oft ist während des Klinikaufenthalts hier auch schon eine therapeutisch geleitete Begegnung mit dem Trauma möglich.

Die Behandlung von Patientlnnen mit (chronischem oder sequentiellem) Typ-II-Trauma, wie z.B. wiederholte Gewalterfahrung in Form von sexualisierter Gewalt im Kindes- und / oder Erwachsenenalter, körperlicher Misshandlung, Geiselhaft, mehrfache Folter, Verfolgung, Kriegsgefangenschaft u. ä. bedarf aufgrund der Schwere und Dauer der Schädigung und der resultierenden Komplexität des Krankheitsbildes einer spezielleren, auwändigeren und daher oft längeren oder sogar wiederholten Behandlung. Nach der Stabilisierungsphase sollte möglichst eine nahtlos sich anschließende ambulante Psychotherapie. Auf Wunsch vieler PatientenInnen nehmen wir gerne Kontakt auf zum / zur weiterbehandelnden Therapeutenln.

Folgen von Traumatisierung im Kindesalter

In Abstimmung mit den in der ambulanten Therapie erzielten Entwicklungen können weitere stationäre Aufnahmen erforderlich werden, insbesondere wenn sich die Stabilität im ambulanten Rahmen nicht als dauerhaft erweist oder wenn die therapeutische Begegnung mit dem Trauma die seelische Stabillität so sehr gefährdet, dass in dieser Behandlungsphase der Schutzraum der Klinik unabdingbar erscheint. Häufig ergeben sich längere Verläufe mit mehrfachen Wiederaufnahmen, wenn umfangreiche kindliche Traumatisierungen vorliegen, die zu einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung geführt haben (Komplextraumatisierung, Bindungstraumatisierung). Die zur Besserung oder Heilung notwendigen Entwicklungsschritte brauchen dann einfach mehr Zeit. In diesen Fällen folgen wir zwei Leitsätzen: Es geht umso schneller, je langsamer und behutsamer man vorgeht (Kluft) und: Zwei Erwachsene (Therapeut und Patient in seinen erwachsenen Anteilen) kümmern sich um ein verletztes Kind (Reddemann).

Je nach Zustand des/der Patienten/ln, dem Ausprägungsgrad des Krankheitsbildes und der Behandlungsphase entsprechend können die folgenden Behandlungstechniken zum Einsatz kommen:

  • Stabilisierungs- und Coping-Techniken
  • Psychotherapie auf der inneren Bühne (PITT nach L. Reddemann)
  • Bildschirmtechnik und Traumasynthese (Reddemann/Sachsse)
  • Kognitive VT (Foa)
  • EMDR (Shapiro)
  • Symbolarbeit (Wollschläger)

Weitere Informationen erhalten Sie unterfolgender Telefonnummer:

+49 7725 / 932-0

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